Alex Wiefel
11. März 2026

E-Invoicing in Europa: Welche Länder bei der E-Rechnung vorausgehen

E-Invoice Europa

E-Invoicing wird in Europa vom Digitalisierungsthema zur Compliance-Pflicht. Zwar setzt die EU mit EN 16931 den Rahmen, doch Formate, Plattformen und Fristen unterscheiden sich je nach Land erheblich. Besonders relevant sind derzeit Italien, Frankreich, Polen, Belgien, Rumänien und Spanien. Die Vorgaben für das E-Invoicing in Deutschland können Sie hier nachlesen.

Das Wichtigste im Überblick

  • E-Invoicing entwickelt sich in Europa von einer Digitalisierungsmaßnahme zu einer verbindlichen Compliance-Anforderung.
  • Zwar schafft die EU mit EN 16931 einen gemeinsamen Rahmen, die nationale Umsetzung unterscheidet sich jedoch deutlich.
  • Italien, Frankreich, Polen, Belgien, Rumänien und Spanien zählen aktuell zu den relevantesten Ländern für Unternehmen mit internationalem Geschäft.
  • Mit SAP DRC steht Unternehmen eine starke Lösung für die Erfüllung aller europäischen Vorgaben im Zusammenhang mit der Erstellung und Übermittlung von E-Rechnungen zur Verfügung.

Italien

Italien gilt als Vorreiter des E-Invoicings in Europa. Bereits seit 2015 ist die elektronische Rechnungsstellung im B2G-Bereich verpflichtend, seit 2019 auch im B2B-Bereich. Das Land setzt auf ein konsequentes Clearance-Modell über das Sistema di Interscambio (SDI), über das alle elektronischen Rechnungen eingereicht werden müssen. Verarbeitet wird das nationale XML-Format FatturaPA. Auch grenzüberschreitende Rechnungen sind inzwischen in das Modell eingebunden. Die Regulierung wird fortlaufend weiterentwickelt, etwa durch besondere Anforderungen im Gesundheitswesen.

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Frankreich

Frankreich führt derzeit eine umfassende Reform seines Rechnungswesens ein. Ziel ist es, Papierrechnungen und einfache PDF-Rechnungen durch ein verpflichtendes digitales Modell für umsatzsteuerpflichtige Unternehmen zu ersetzen. Ab dem 1. September 2026 müssen alle Unternehmen E-Rechnungen empfangen können; große Unternehmen und Mittelständler müssen dann bereits E-Rechnungen und E-Reports ausstellen. Ab dem 1. September 2027 gilt die Ausstellungspflicht auch für KMU und Kleinstunternehmen. Frankreich setzt auf ein Y-Modell mit zertifizierten Partnerplattformen, den sogenannten PDPs, sowie dem öffentlichen Portal PPF. Das in Frankreich genutzte Format Factur-X ist nahezu deckungsgleich mit dem deutschen Format ZUGFeRD.

Wichtig: Laut dem Newsportal vatabout steht in Frankreich derzeit eine sogenannte Grace Period bis Ende August 2028 zur Debatte. Dies würde bedeuten, dass Unternehmen, die einen “guten Willen” zeigen, bis zu diesem Zeitpunkt keine Strafen für Verstöße gegen die französischen E-Invoicing-Vorgaben erhalten würden.

Polen

Polen baut mit dem Krajowy System e-Faktur, kurz KSeF, ein zentrales Clearance-Modell für die elektronische Rechnungsstellung auf. Das System ist seit 2022 freiwillig nutzbar und ermöglicht die Ausstellung, den Empfang und die Archivierung strukturierter Rechnungen. Die verpflichtende Einführung wurde 2024 verschoben und erfolgt nun stufenweise ab 2026. Ab dem 1. Februar 2026 gilt die Pflicht zunächst für Unternehmen mit einem Vorjahresumsatz von mehr als 200 Millionen PLN, ab dem 1. April 2026 für alle weiteren Unternehmen. Verarbeitet werden XML-Rechnungen gemäß der nationalen FA_VAT-Struktur. Dabei gilt auch in Polen eine Schonfrist für das Jahr 2026, in dem keine Strafen für Verstöße gegen die Vorgaben verhängt werden.

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Belgien

Belgien treibt die elektronische Rechnungsstellung schrittweise voran. Im B2G-Bereich wurde die Pflicht seit Ende 2022 abhängig vom Auftragswert eingeführt. Für den B2B-Bereich ist die stufenweise Einführung ab Januar 2026 vorgesehen. Dabei wird Belgien voraussichtlich stark auf PEPPOL setzen und das Vier-Ecken-Modell als Basismodell etablieren. Eine zentrale Rolle spielt im öffentlichen Sektor die staatliche Plattform Mercurius, die an das PEPPOL-Netzwerk angeschlossen ist und Rechnungen im Format PEPPOL BIS 3.0 verarbeitet. Für Unternehmen ist Belgien deshalb besonders relevant, weil sich hier ein klar standardisiertes, netzwerkbasiertes Modell mit wachsender Pflichtdynamik etabliert. Auch in Belgien gilt bis zum 1. April eine Schonfrist, danach müssen Unternehmen die Vorgaben einhalten.

Rumänien

Seit Juli 2022 ist die elektronische Rechnungsstellung in Rumänien im B2G-Bereich verpflichtend; zugleich wurden erste B2B-Pflichten für Warengruppen mit hohem Steuerrisiko eingeführt. Seit dem 1. Januar 2024 müssen alle von in Rumänien ansässigen Unternehmen ausgestellten B2B-Rechnungen über RO e-Factura gemeldet werden. Seit dem 1. Juli 2024 besteht zudem die Pflicht zur Ausstellung über das staatliche System, auch für nicht in Rumänien ansässige, aber dort umsatzsteuerlich registrierte Unternehmen. Verwendet wird ein XML-Format nach dem nationalen Standard RO_CIUS auf Basis von UBL 2.1.

Spanien

Spanien hat E-Invoicing im B2G-Bereich bereits seit 2015 für öffentliche Aufträge über 5.000 Euro verpflichtend eingeführt. Zusätzlich sollte mit VERIFACTU ab dem 1. Januar 2026 zertifizierte Rechnungssoftware im B2B-Bereich verpflichtend werden. Allerdings wurden die Pläne um ein Jahr verschoben auf 2027. Generell verfolgt Spanien ein interoperables Plattformmodell mit privaten Anbietern und einer öffentlichen Lösung der Steuerverwaltung. Für B2B-Rechnungen sollen Formate gemäß EN 16931 zulässig sein, darunter UBL, CII, EDIFACT und Facturae.

Umsetzung des E-Invoicings in Europa mit SAP DRC

SAP Document and Reporting Compliance (DRC) unterstützt Unternehmen dabei, die gesetzlichen Anforderungen für das E-Invoicing in Europa effizient umzusetzen. Die Lösung ermöglicht die Erstellung, Übermittlung und Validierung von E-Rechnungen in verschiedenen europäischen Formaten, und sorgt so für eine rechtskonforme elektronische Rechnungsstellung.

Besonders bei länderspezifischen Anforderungen hilft DRC, alle Vorgaben zu erfüllen und internationale Rollouts problemlos zu managen. Mit automatisierten Prüfungen und der Anbindung an staatliche Plattformen minimiert SAP DRC Fehler und erhöht die Effizienz der E-Rechnungsprozesse. Unternehmen profitieren von einer zentralen Lösung, die auch Echtzeit-Steuerreporting und Compliance-Überwachung ermöglicht. So können Unternehmen nicht nur ihre E-Rechnungen korrekt und sicher austauschen, sondern auch eine durchgängige Compliance-Plattform aufbauen.

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Fazit

E-Invoicing in Europa ist kein einheitliches Thema, sondern ein Zusammenspiel aus europäischen Vorgaben und nationalen Sonderwegen. Während einige Länder bereits etablierte Pflichtmodelle umgesetzt haben, stehen andere kurz vor der verbindlichen Einführung oder haben Schonfristen für die Einführung eingeräumt. Für Unternehmen bedeutet das: Wer international tätig ist, muss E-Invoicing nicht nur technisch, sondern auch regulatorisch strategisch angehen. Entscheidend ist, die länderspezifischen Anforderungen frühzeitig zu verstehen und die eigenen Prozesse entsprechend auszurichten.

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FAQ

Was bedeutet E-Invoicing in Europa für international tätige Unternehmen?

International tätige Unternehmen müssen sich auf unterschiedliche nationale Vorgaben einstellen. Obwohl EN 16931 einen gemeinsamen europäischen Rahmen vorgibt, unterscheiden sich Formate, Plattformen, Meldepflichten und Einführungszeitpunkte je nach Land erheblich.

Welche Länder sind beim E-Invoicing in Europa aktuell besonders relevant?

Besonders relevant sind derzeit Italien, Frankreich, Polen, Belgien, Rumänien und Spanien. Diese Länder haben entweder bereits umfassende Verpflichtungen eingeführt oder setzen in den kommenden Jahren verbindliche Modelle um.

Gibt es in Europa ein einheitliches Verfahren für E-Invoicing?

Nein. In Europa gibt es keinen vollständig einheitlichen Ansatz. Einige Staaten setzen auf dezentrale Modelle oder Netzwerke wie PEPPOL, andere auf zentrale staatliche Plattformen im Sinne eines Clearance-Verfahrens.

Warum sollten Unternehmen sich frühzeitig mit E-Invoicing in Europa beschäftigen?

Weil die Anforderungen in vielen Ländern schrittweise verschärft werden. Wer frühzeitig Prozesse, Systeme und Verantwortlichkeiten anpasst, reduziert Compliance-Risiken und schafft die Grundlage für einen reibungslosen Rechnungsaustausch.

Alex Wiefel

Alex Wiefel

Als Management & Technologieberater im Bereich Formulare, Archivierung und E-Rechnung verbinde ich tiefgehende fachliche Expertise mit langjährigem Projektleitungs-Know-How. Diese Kombination liefert mir die Grundlage, meine Kunden-Projekte zum Erfolg zu führen. Gerne unterstütze ich Sie dabei, Ihre Formularlandschaft auf den neusten Stand zu bringen, Daten konform zu archivieren sowie Rechnungen zu digitalisieren.

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