Frankreich führt die elektronische Rechnungsstellung schrittweise ein und verpflichtet Unternehmen künftig zu digitalen Rechnungs- und Meldeprozessen. Mit der Reform zur facturation électronique entsteht ein neues System aus zugelassenen Plattformen und zentralen Verzeichnisstrukturen. Wir erklären, was Unternehmen jetzt wissen müssen und wie sich die Anforderungen im SAP-Umfeld umsetzen lassen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Frankreich führt mit der facturation électronique eine E-Rechnungspflicht für inländische B2B-Transaktionen ein. Rechnungen müssen in Zukunft in einem strukturierten elektronischen Format erstellt und digital übermittelt werden. Bestimmte Rechnungs- bzw. Transaktionsdaten werden zudem an die französische Steuerverwaltung weitergeleitet.
- Der Austausch elektronischer Rechnungen erfolgt über zertifizierte Plattformen (PDP), die die Validierung, Weiterleitung und Kommunikation mit der französischen Steuerverwaltung übernehmen.
- Zulässige E-Rechnungsformate sind unter anderem Factur-X, UBL und CII. Eine reine PDF-Rechnung ohne strukturierte Daten erfüllt die Anforderungen nicht.
- SAP Document and Reporting Compliance (DRC) unterstützt Unternehmen, E-Rechnungsprozesse effizient nach den französischen Anforderungen umzusetzen.
Was ist die facturation électronique?
Die facturation électronique bezeichnet die elektronische Rechnungsstellung in Frankreich. Die verpflichtende Nutzung der facturation électronique betrifft zunächst inländische B2B-Transaktionen zwischen in Frankreich ansässigen umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen.
Rechnungen müssen künftig in einem strukturierten elektronischen Format ausgestellt und über eine zugelassene Plattform an den Geschäftspartner übermittelt werden. Gesetzlich vorgeschriebene Rechnungs- bzw. Transaktionsdaten werden anschließend automatisch an die französische Steuerverwaltung übermittelt.
Anders als bei klassischen PDF-Rechnungen handelt es sich bei einer E-Rechnung nicht lediglich um ein digitales Abbild einer Rechnung. Entscheidend ist, dass die Rechnungsdaten in einem strukturierten Format vorliegen und maschinell verarbeitet werden können.
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Ab wann gilt die E-Rechnungspflicht in Frankreich?
Die Einführung der E-Rechnungspflicht erfolgt stufenweise:
Ab dem 1. September 2026 müssen alle Unternehmen in Frankreich elektronische Rechnungen empfangen können. Für große Unternehmen und Unternehmen mittlerer Größe (ETI) gilt ab diesem Zeitpunkt auch die Pflicht zur Ausstellung elektronischer Rechnungen.
Ab dem 1. September 2027 müssen auch kleine und mittlere Unternehmen sowie Kleinstunternehmen elektronische Rechnungen ausstellen.
Die Rolle der Plateformes de Dématérialisation Partenaires (PDP)
Das französische Modell schreibt den Rechnungsaustausch über zertifizierte Plattformen vor. Unternehmen können ihre Rechnungen also nicht direkt an Geschäftspartner senden, sondern nutzen dafür sogenannte Plateformes de Dématérialisation Partenaires (PDP).
Eine PDP übernimmt unter anderem:
- Empfang und Versand elektronischer Rechnungen
- Prüfung der technischen und formalen Konformität der Rechnungen
- Konvertierung zwischen unterstützten Formaten
- Weiterleitung an Geschäftspartner
- Übermittlung relevanter Daten an die Steuerbehörden
Die PDPs bilden damit die technische Schnittstelle zwischen Unternehmen, Geschäftspartnern und der französischen Finanzverwaltung.
Das zentrale Portal Portail Public de Facturation (PPF) dient hingegen vor allem als staatliche Infrastruktur für das Verzeichnis der Plattformen sowie für die Sammlung steuerlich relevanter Meldedaten.


Zugelassene E-Rechnungsformate in Frankreich
Frankreich akzeptiert mehrere elektronische Rechnungsformate. Unternehmen können das Format passend zu ihrer technischen Umgebung wählen.
Zu den wichtigsten Formaten zählen:
- Factur-X: hybrides Format aus PDF-Dokument und eingebetteten XML-Rechnungsdaten
- UBL: international verbreitetes XML-Format
- CII (Cross Industry Invoice): XML-basiertes Rechnungsformat nach UN/CEFACT-Standard
Factur-X ist in Frankreich besonders weit verbreitet, da es eine Brücke zwischen klassischen PDF-Rechnungen und vollständig strukturierten Rechnungsdaten bildet. Es ist also im Standard menschen- und maschinenlesbar.
Eine reine PDF-Rechnung ohne eingebettete strukturierte Daten erfüllt die Anforderungen der französischen E-Rechnungspflicht nicht.
Übermittlung und Validierung elektronischer Rechnungen
Im Rahmen der facturation électronique werden elektronische Rechnungen nach einem standardisierten Ablauf übermittelt:
- Der Rechnungsaussteller erstellt eine E-Rechnung in einem zulässigen Format.
- Die Rechnung wird an eine zertifizierte PDP übermittelt.
- Die PDP prüft technische und formale Anforderungen.
- Nach erfolgreicher Validierung wird die Rechnung an den Empfänger weitergeleitet.
- Relevante Transaktionsdaten meldet die PDP automatisch an die Steuerverwaltung.
Zusätzlich werden Statusinformationen über den Rechnungsprozess zwischen den Plattformen und den Unternehmen ausgetauscht. Dadurch erhalten Unternehmen mehr Transparenz über den Bearbeitungsstand ihrer Rechnungen.
Aufbewahrungspflichten für elektronische Rechnungen
Grundsätzlich gelten für elektronische Rechnungen in Frankreich dieselben gesetzlichen Aufbewahrungspflichten wie für Papierrechnungen. Die E-Rechnungen müssen während ihrer gesamten Aufbewahrungsfrist allerdings in ihrer elektronischen Form archiviert werden. Zudem müssen Unternehmen für die gesamte Aufbewahrungsfrist sicherstellen, dass
- die Authentizität der Herkunft,
- die Integrität des Inhalts sowie
- die Lesbarkeit der elektronischen Rechnungen gewährleistet sind.
Die konkrete Archivierung erfolgt in der Regel über interne oder externe elektronische Archivierungslösungen.
PDF-Rechnungen in Factur-X umwandeln
Viele Unternehmen arbeiten weiterhin mit PDF-basierten Rechnungsprozessen. Da eine einfache PDF-Datei zukünftig in den meisten Fällen nicht mehr ausreicht, werden Lösungen zur Umwandlung in konforme Formate relevant.
Konvertierungslösungen ermöglichen es, bestehende PDF-Rechnungen in ein zulässiges E-Rechnungsformat, beispielsweise Factur-X, zu überführen oder die notwendigen XML-Daten zu erzeugen. Auf diese Weise können Unternehmen ihre bestehenden Rechnungsprozesse beibehalten und gleichzeitig die Anforderungen der französischen E-Rechnungspflicht erfüllen.
SAP und E-Invoicing in Frankreich
Für SAP-Anwender ist SAP Document and Reporting Compliance (DRC) eine zentrale Lösung zur Umsetzung der französischen E-Rechnungsvorgaben. Sie unterstützt Unternehmen, elektronische Rechnungen in den erforderlichen französischen Formaten zu erstellen und über zertifizierte Plattformen zu übermitteln. Zusätzlich kann sie Rechnungsdaten automatisch validieren, Statusinformationen austauschen und ein umfassendes Monitoring und Reporting der Rechnungsprozesse ermöglichen.
Durch die Integration von SAP DRC in bestehende SAP-Systemlandschaften lassen sich E-Invoicing-Prozesse weitgehend automatisieren, manuelle Aufwände reduzieren und regulatorische Anforderungen zuverlässig erfüllen. Unternehmen können dadurch sicherstellen, dass sie die neuen Pflichten erfüllen, ohne massive Umstrukturierung ihrer internen Prozesse.


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Fazit
Mit der verpflichtenden facturation électronique führt Frankreich ein modernes E-Rechnungssystem ein. Unternehmen müssen zwar zunächst in technische Anpassungen investieren, um die zertifizierten Plattformen und die zugelassenen strukturierten Rechnungsformate nutzen zu können. Langfristig bringen die Veränderungen jedoch mehr Effizienz und Transparenz in die Rechnungsprozesse.
Für international tätige Unternehmen ist die französische Reform besonders relevant, da sie Teil eines europaweiten Trends zur Digitalisierung der Mehrwertsteuerprozesse ist. Unternehmen mit SAP-Landschaften sollten frühzeitig prüfen, wie sie bestehende Rechnungsprozesse anpassen und durch integrierte Lösungen unterstützen können.
FAQ
1) Was ist die E-Rechnungspflicht in Frankreich?
Die E-Rechnungspflicht schreibt vor, dass Unternehmen bei bestimmten inländischen B2B-Transaktionen elektronische Rechnungen ausstellen, digital übermitteln und relevante Daten an die Steuerverwaltung melden müssen.
2) Welche E-Rechnungsformate sind in Frankreich zulässig?
Frankreich akzeptiert strukturierte Formate wie Factur-X, UBL und CII. Eine reine PDF-Rechnung ohne strukturierte Daten gilt nicht als konforme E-Rechnung.
3) Welche Rolle spielen PDPs bei der französischen E-Rechnung?
PDPs (Plateformes de Dématérialisation Partenaires) sind zertifizierte Plattformen für den Austausch elektronischer Rechnungen. Sie übernehmen Prüfung, Weiterleitung und die Übermittlung relevanter Daten an die Steuerbehörden.
4) Wie unterstützt SAP die E-Rechnung in Frankreich?
SAP Document and Reporting Compliance (DRC) unterstützt Unternehmen bei der Erstellung, Validierung und Übermittlung französischer E-Rechnungen sowie beim Monitoring und Reporting innerhalb bestehender SAP-Prozesse.
Wer kann mir beim Thema E-Rechnung in Frankreich: Anforderungen, Formate und Umsetzung helfen?
Wenn Sie Unterstützung zum Thema E-Rechnung in Frankreich: Anforderungen, Formate und Umsetzung benötigen, stehen Ihnen die Experten von Mindforms, dem auf dieses Thema spezialisierten Team der mindsquare AG, zur Verfügung. Unsere Berater helfen Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten, das passende Tool für Ihr Unternehmen zu finden und es optimal einzusetzen. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Beratungsgespräch, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen.
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