SAP Customizing

Die Produkte der SAP werden als sogenannte Standard-Software ausgeliefert. Das bedeutet, dass sie sich in ihrer Grundform nicht unterscheiden und somit eine einheitliche Implementation in jedem Unternehmen gewährleistet werden kann. Dies gilt insbesondere für das SAP ERP-System, welches durch einen modularen und standardisierten Aufbau überall ohne weiteres implementiert werden kann. Um dennoch den spezifischen Bedürfnissen der Unternehmen gerecht zu werden und spezielle Prozesse abbilden zu können, wurde das SAP Customizing eingeführt.

Das SAP Customizing ist der zentrale Punkt im SAP ERP-System, an dem die Software so modifiziert werden kann, dass sie den Unternehmensbedürfnissen entspricht. Der strukturierte Aufbau ermöglicht individuelle Einstellungen in den jeweiligen Modulen. Das SAP Customizing beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Einstellungen auf der grafischen Oberfläche (Transaktionscode: SPRO), sondern umfasst auch sämtliche Änderungen in den sogenannten User-Exits und durch Modifikationen. An dieser Stelle erlaubt die SAP an fest vorgegebenen Stellen kundeneigene Eingriffe in die Standardvorgänge mittels ABAP-Programmierung.

Definition Customizing

Der Begriff Customizing (deutsch: etwas anpassen) beschreibt im Software-Umfeld die Anpassung eines Serienprodukts an kundeneigene Bedürfnisse. Ziel ist es, Möglichkeiten zu schaffen, ein Standardprodukt an bestimmte Gegebenheiten oder Anforderungen anzupassen. Gleichzeitig reagieren Anbieter dadurch auf den Drang nach Personalisierung und Individualisierung durch den Kunden. In der Regel schafft der Hersteller einer Software Anpassungspunkte auf der Oberfläche oder im Coding, in denen der Kunde eigene Anpassungen implementieren kann. Insbesondere in stark standardisierten Produkten, wie ERP-Systemen, kommt das Customizing zum Einsatz.

SAP Customizing in der Praxis

Die SAP sieht die Modifikation der Standardprozesse an vier Stellen vor. Dazu zählen das SAP Customizing auf der Oberfläche im ERP-System, die User-Exits für vordefinierte Einstellungen, die Veränderung des Quellcodes durch Modifikationen und die sogenannten Z-Programme. Die Z-Programme beschreiben in dem Zusammenhang die kundeneigenen Programme, die individuelle Prozesse abbilden oder Standardprozesse erweitern können. Für die Erstellung solcher Programme ist ein Entwicklerschlüssel im SAP-System zwingend erforderlich. In der Regel installieren die Unternehmen eine 2- oder 3-System-Landschaft in ihrem Rechenzentrum. Diese Landschaften bestehen – je nach Ausprägung – aus einem Entwicklungs-, einem Test- und einem Produktivsystem. Anpassungen im SAP Customizing werden in der Praxis durch alle drei Systeme transportiert.

Anpassungsprogrammierungen

Einstellungen im SAP Customizing oder Z-Programme werden in dem Fall im Entwicklungssystem gepflegt und über das Testsystem in die produktive Umgebung transportiert. Die Transportkette ermöglicht intensive Tests des SAP Customizing vor der eigentlichen Produktivschaltung durch die IT-Abteilung oder den Fachbereich. Jedoch unterscheidet man grundsätzlich zwischen einer Anpassungsprogrammierung und einer Modifikation. Anpassungsprogrammierungen umfassen sämtliche Veränderungen, die nicht durch Einstellungen im SAP Customizing verändert werden können. Wie Anpassungen aller Art, erfordern auch Anpassungsprogrammierungen intensive Tests in den entsprechenden Bereichen.

Modifikation

Sie greifen jedoch nicht direkt in den Standardcode des ERP-Systems ein. Für diesen Zweck existieren Modifikationen, die durch Individualprogrammierungen oder individuelle Anpassungen den Standard des Systems verändern. Modifikationen verhindern jedoch einen vereinfachten Update-Prozess, da sie entweder nach einem Update neu eingespielt werden oder das Update an den Individualprogrammierungen angepasst werden müssen. Gleichzeitig behält sich die SAP vor, den Support und die Wartung für modifizierte SAP-Systeme einzustellen. Eine Veränderung des SAP Customizing kommt dann zum tragen, wenn auch Anpassungen in den User-Exits keinen Erfolg bringen würden.

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Transaktionscode SPRO

Über den Transaktionscode SPRO (SAP Reference Project Object) kann das zentrale SAP Customizing des ERP-Systems aufgerufen werden. Die SAP bezeichnet diesen Bereich als „SAP Customizing – Projektbearbeitung“ und bietet Zugriff auf Anpassungsmöglichkeiten in einzelnen Geschäftsbereichen oder Modulen. Das SAP Customizing kann unmittelbar aus der Oberfläche heraus aufgerufen und bearbeitet werden. Die Anwender können die Anpassungen im SAP Customizing projektbasiert ablegen und somit jederzeit bearbeiten. Insbesondere Anpassungen in Datenbanktabellen können auch außerhalb der Transaktion SPRO im Entwicklungssystem vorgenommen werden.

Struktur

Die Übersichtlichkeit wird durch eine absteigende Aststruktur gewährleistet. Gleichzeitig stehen dem Anwender Suchfunktionalitäten zur Verfügung, mit denen er durch Schlagworte bestimmte Einstellungsmöglichkeiten suchen kann. Die Struktur führt von den übergeordneten Geschäftsbereichen (Finanzwesen, Materialwirtschaft, Einkauf, Verkauf, …) zu den spezifischen Einstellungen der jeweiligen Bereiche. In der Regel sind Modifikationen im SAP Customizing nur im Entwicklungssystem zulässig. Etwaige Einstellungen müssen demnach entlang der Transportkette durch die einzelnen Systeme transportiert werden.

SAP Customizing

Bestandteile

Wie bereits erwähnt zeichnet sich das SAP Customizing in seiner Gesamtheit durch mehrere Anpassungsobjekte aus. Abseits der Einstellungen auf der Oberfläche über die Transaktion SPRO, können Anpassungen am SAP Customizing auch durch ABAP-Programmierung vorgenommen werden. Die SAP sieht Entwicklungen an mehreren Stellen, beziehungsweise auf mehreren Arten vor. Dazu gehören im Detail:

SAP Customizing Modifikationen

Eine Modifikation verändert immer den Quellcode einer SAP Anwendung. Entwicklungen in diesem Bereich setzen daher immer eine umfassende Vorabplanung voraus und sollten nicht leichtfertig durchgeführt werden. Die SAP muss der Modifikation zustimmen und einen Objektschlüssel vergeben. Ebenso ist eine detaillierte und umfassende Dokumentation zwingend erforderlich. Zudem behält sich die SAP vor, den Support und Wartung eines Systems nach einer Modifikation zu verweigern. Modifikationen können nötig sein, wenn die grundsätzliche Logik im SAP Standard und dem SAP Customizing auf der Oberfläche nicht auf spezifische oder individuelle Prozesse der Kunden abbildbar ist.

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Kundeneigene Programme

Die Z-Programme beschreiben individuelle Programmierungen, die auf Seiten der Kunden angefertigt wurden, um bestimmte Prozesse abzubilden oder Standardprozesse zu unterstützen. Das “Z” kennzeichnet in dem Zusammenhang den individuellen Namensraum für diese Programme. Ergänzend dazu gibt es mit “Y” einen weiteren reservierten Namensraum für Eigenentwicklungen. In der Regel fungieren kundeneigene Programme als Addon für einen Standardprozess. Auf diesem Wege können spezielle Anforderungen abgedeckt werden, die normalerweise nicht von der SAP im SAP Customizing berücksichtigt werden.

Z- oder Y-Programme haben nicht selten Berührungspunkte mit Einstellungen im SAP Customizing. Meistens erfordern Einstellungen im SAP Customizing sogar die Entwicklung eines eigenen Programms. Kundeneigene Programme erfordern eine intensive Wartung und Pflege, da Änderungen durch Updates im ERP-System dafür sorgen können, dass die Programme nicht mehr wie gewünscht funktionieren. Zur Entwicklung eines eigenen Programms wird ein Entwicklerschlüssel benötigt. Auch die SAP bietet vorgefertigte Z-Programme an, die über den SAP AddOnStore zu beziehen sind. Dabei handelt es sich um individuelle Entwicklungen, die Probleme oder Herausforderungen bewältigen, die viele Unternehmen in bestimmten Bereichen betreffen könnten.

User-Exits

Ein User-Exit ist ein spezieller Bereich im Coding des SAP Systems, in dem kundeneigene Programmierungen zum Tragen kommen. In gewisser Weise wird an diesen Stellen das Standardverhalten des ERP-Systems übersteuert und eigene Logiken können implementiert werden. Mittels ABAB-Programmierung wird durch einen Entwickler Coding eingebaut, welches an dem Standardvorgehen der SAP ansetzt oder dies sogar verändert. Dem Anwender stehen modulabhängig an verschiedenen Stellen User-Exits zur Verfügung.

Die User-Exits sind entweder direkt über die Entwicklerwerkzeuge des SAP-Systems oder durch Absprünge im SAP Customizing zu erreichen. In vielen Modulen, wie SAP MM oder SD, gibt es an bestimmten Stellen Eingriffsmöglichkeiten durch die Anwender. Anpassungen in User-Exits sind nicht so kritisch wie Modifikationen am Quellcode, sollten dennoch genau geplant werden und erfordern ebenfalls einen Entwicklerschlüssel. Anpassungen in den kundeneigenen Bereichen können die Standardprozesse verändern und gegebenenfalls zu Problemen im Prozessablauf führen.

SAP Customizing

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Zusammenfassung

Das Customizing im Allgemeinen beschreibt die Möglichkeit, ein Standardprodukt gemäß eigenen Vorstellungen anzupassen. Bezogen auf das SAP ERP-System beschreibt das SAP Customizing die Einstellungsmöglichkeiten, die durch die Anwender an verschiedenen Punkten vorgenommen werden können. Die Standardsoftware kann durch Modifikationen am Coding oder durch Einstellungen auf der Oberfläche an die eigenen Bedürfnisse und Wünsche angepasst werden. Die SAP unterscheidet in dem Zusammenhang zwischen mehreren Anpassungsvarianten. Dazu gehören: Modifikationen, User-Exits, kundeneigene Programme (“Z-Programme”) und Anpassungen in der Transaktion SPRO auf der SAP GUI.

Wichtig zu wissen ist die Tatsache, dass alle Anpassungen am SAP-System Auswirkungen auf die individuellen Geschäftsprozesse haben können. Insbesondere die Modifikationen im SAP Customizing, die direkt den Quellcode beeinflussen, sollten gründlich geplant sein. User-Exits sind weniger kritisch, können aber ebenfalls für Veränderungen am Standardvorgehen der SAP haben. Ergänzend zu dem Standardvorgehen können kundenindividuelle Programme (“Z-Programme“) entwickelt werden, die zur Abbildung von Sonderprozessen herangezogen werden. Gleichzeitig ergänzen sie unter Umständen die Standardprozesse um zusätzliche Funktionalitäten.


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