Tobias Harmes
30. April 2024

Gentlemen | Perspektive SAP IT – April 2024

Die Serie „The Gentlemen“ blickt mit englischem Humor hinter die Fassade von scheinbar immer höflichen Menschen mit Macht. Doch man benötigt nicht unbedingt ein Netflix-Abo, um Fälle zu erleben, in denen Gentlemen aus geschäftlichen Gründen mit harten Bandagen spielen. Von Amazon bis SAP, die bekannten CEOs können auch anders.

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Im Zweifel mit Waffe

In der neuen Netflix-Serie „The Gentlemen“ wird ein UN-Soldat unerwartet zur adeligen Familie nach England zurückberufen. Zunächst, um als Erbe Dinge zu tun, die man vom englischen Hochadel eigentlich so erwartet: Zigarren rauchen, Tontauben schießen und Whisky trinken. Nur entdeckt der neue Lord schnell die bisherige Quelle des Reichtums, denn das Familienanwesen ist Teil eines riesigen Cannabis-Imperiums.

Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Film von 2019 und zeigt humorvoll und drastisch, dass scheinbar gute Menschen eine zweite Seite haben, die, einmal entfesselt, ganz anders ist als der erste Eindruck. Die Schere zwischen Schein und Sein ist skurril und unterhaltsam. Die Umstände zwingen zum Reagieren, in der Serie meist mit Gewalt. „Oha, hätte ich da jetzt eigentlich lachen dürfen?“ Englischer Humor eben, aber sehr ästhetisch und dynamisch serviert.

Amazons Nachrichtendienst

In der Business-Welt gibt es auch eine Schere zwischen Image und Handeln. Und durchaus spannend, sofern man nicht betroffen ist. So hat das das Wall Street Journal jüngst berichtet, dass Amazon verdeckt das Handelsunternehmen „Big River“ gegründet hat, das mit Artikeln auf den Plattformen von Wettbewerbern wie eBay und Walmart gehandelt hat.  Mitarbeitende sollen sowohl eine interne Amazon-E-Mail-Adresse als auch eine Adresse vom Unternehmen gehabt haben. Inhalte und Unterlagen aus Gesprächen und Konferenzen mit den Wettbewerbern sollen dann sogar auf Papier ausgedruckt und danach weiterverarbeitet worden sein, um digitale Spuren zu vermeiden. Es ist offen, ob das noch als raffinierte Wettbewerbsanalyse durchgeht oder zur Klage wegen Industriespionage führen wird.

Besorgte KI-Vorstände

In der Welt von AI kann man auch sehr schöne Widersprüche beobachten. Der charismatische openAI CEO Sam Altman rief letztes Jahr scheinbar selbstlos noch sinngemäß: „Reguliert uns wegen der vielen Gefahren von KI“. Diesen Monat kündigte openAI Tools für das Erzeugen von künstlicher Sprache an, allerdings erst einmal als Leistungsschau – man wolle sie wegen des Missbrauchspotentials (noch) nicht veröffentlichen. Was auf den ersten Blick einigermaßen schräg ist, da Wettbewerber ElevenLabs hier schon ein sehr leistungsfähiges Tool verfügbar hat. Der wenig charismatische Buhmann und Meta CEO Mark Zuckerberg schafft dagegen Fakten in der KI-Welt und bietet die für Millionen von Dollar erzeugten neuen Llama 3-Sprachmodelle zum kostenlosen Download an. Und damit auch die Möglichkeit, generative KI für alle nutzbar zu machen.

Also alles echte Gentlemen? Ganz so einfach ist es wohl nicht, denn openAI könnte mit dem Ruf nach Regulierung auch einfach nur die Tür für eine mögliche nachrückende Konkurrenz zuschlagen wollen. Der Meta-Konzern mit WhatsApp, Instagram und Facebook profitiert von jeder Anwendung, die auf Basis der OpenSource-Ressourcen entwickelt und wiederum in Zuckerbergs Netzwerk integriert werden kann. Der Preis dafür ist, dass nun ein noch mächtigeres Sprachmodell ohne Filter und ethische Regeln verwendet werden kann.

SAP macht ernst

SAP CEO Christian Klein hat vor der Veröffentlichung der Q1-Quartalszahlen in den letzten Wochen einen wahren Interview-Run durch die einschlägigen deutschen Medien gemacht. Auf der einen Seite stehen nun der gestiegene Börsenkurs und der steigende Cloud-Umsatz. Dazu der Gastbeitrag im Handelsblatt von ihm, in dem er von der EU fordert, dass leistungsstarke Unternehmens-KI „made in Europe“ auch EU-Ziel sein sollte. Auf der anderen Seite steht die verlustbringende Rückstellung für 8000 geplante Kündigungen im Unternehmen. Angesichts der durch die KI veränderten Anforderungen werden in Walldorf und in der Welt wahrscheinlich andere Mitarbeiter benötigt. Dass SAP das Thema AI auf die leichte Schulter nimmt, behauptet wohl niemand mehr. Also muss SAP so reagieren in dieser Situation? Oder ist das übertrieben?

Letzte Karte

Guy Ritchies „The Gentlemen“ funktioniert auch wegen des ständigen Schwankens zwischen: „Ich hatte keine Wahl“ und „Ich lasse es drauf ankommen, egal wie riskant das Spiel ist.“ In der Serie haben die Protagonisten allerdings am Ende immer auch noch ein Ass im Ärmel. Jemand, der zum Aufräumen kommt, wenn es doch hässlich geworden ist. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass Sie bei Ihrer Arbeit gentlemanlike auf Ihr Ass im Ärmel verzichten können.

Herzliche Grüße
Tobias Harmes

PS: Der DSAG-Jahreskongress 2024 hat den Ticketverkauf gestartet. Anlass genug für uns, auch die Vormerkung für unsere traditionelle Afterparty am Abend des ersten Kongresstages zu eröffnen. Ich hoffe, wir sehen uns!

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