SAP R/3 ist ein historisch prägendes ERP-System von SAP. Es integrierte zentrale Geschäftsprozesse in einer gemeinsamen Systemlandschaft und legte damit eine wichtige Grundlage für spätere SAP-ERP-Generationen.

Das Wichtigste im Überblick

  • SAP R/3 ist ein integriertes ERP-System, das eine dreistufige Architektur (Datenbank, Anwendungsserver und Client) nutzt, um Geschäftsprozesse in Bereichen wie Finanzbuchhaltung, Materialwirtschaft und Personalmanagement zu optimieren und zu integrieren. Es bietet eine zentrale Datenbank, die eine konsistente und effiziente Verarbeitung von Unternehmensdaten ermöglicht.
  • R/3 wird durch verschiedene Module unterstützt, darunter Finanzbuchhaltung (FI), Kostenrechnung (CO), Verkauf und Vertrieb (SD) sowie Materialwirtschaft (MM). Diese Module sind miteinander verknüpft und bieten eine nahtlose Integration von Geschäftsprozessen.
  • Die technische Architektur von SAP R/3 basiert auf einem offenen und portablen System, das es ermöglicht, unterschiedliche Datenbanken und Betriebssysteme zu nutzen. Es fördert die Interoperabilität und bietet Flexibilität bei der Integration in bestehende IT-Infrastrukturen.
  • Nachfolgegenerationen: Auf SAP R/3 folgten SAP ERP beziehungsweise ECC und schließlich SAP S/4HANA. Heute stehen insbesondere SAP Cloud ERP und SAP Cloud ERP Private im strategischen Fokus von SAP; für die Kernanwendungen der Business Suite 7 läuft die Mainstream Maintenance Ende 2027 aus, optional ist Extended Maintenance bis Ende 2030 möglich.

Was ist SAP R/3?

SAP R/3 ist ein ERP-System (Enterprise Resource Planning) von SAP. Das R steht für Realtime, während die Zahl 3 auf die dreistufige Anwendungsarchitektur aus Präsentations-, Applikations- und Datenbankschicht verweist. SAP entwickelte R/3 überwiegend mit ABAP/4. Das System verfolgt das Ziel, verschiedene Unternehmensbereiche und Module wie SD, MM, CO oder HR miteinander zu verbinden. Dadurch können Unternehmen Daten zentral verarbeiten und Geschäftsprozesse bereichsübergreifend abbilden.

SAP präsentierte erste R/3-Anwendungen 1991 und gab das System 1992 allgemein für den Markt frei. Kennzeichnend waren unter anderem das Client-Server-Konzept, grafische Benutzeroberflächen, relationale Datenbanken und die Unterstützung unterschiedlicher Hardwareplattformen.

Im Laufe der Zeit entwickelte SAP sein ERP-Portfolio weiter. Auf R/3 folgten SAP ERP beziehungsweise SAP ECC (ERP Central Component). Heute bildet SAP S/4HANA die nachfolgende ERP-Generation. Im Cloud-Portfolio stehen darüber hinaus insbesondere SAP Cloud ERP mit SAP S/4HANA Cloud Public Edition sowie SAP Cloud ERP Private im Fokus.

Versionshistorie von R/3

  • Enterprise Edition 1.0 A: Juli 1992
  • Enterprise Edition 2.0: 1993
  • Enterprise Edition 3.0: 1995
  • Enterprise Edition 4.0B: Juni 1998
  • Enterprise Edition 4.3
  • Enterprise Edition 4.5B: März 1999
  • Enterprise Edition 4.6C: April 2001
  • Enterprise Edition 4.6F
  • Enterprise Edition 4.7: 2003
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SAP R/3 Architektur

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von SAP R/3 war seine technische Architektur. Statt Geschäftssoftware ausschließlich auf zentralen Großrechnern auszuführen, verteilte R/3 die Verarbeitung auf unterschiedliche Systemschichten.

Offenes System

Die Architektur von R/3 orientierte sich an offenen Standards wie POSIX (Portable Operating System Interface). Dadurch konnte SAP das System auf verschiedenen Plattformen betreiben und über standardisierte Schnittstellen mit weiteren Anwendungen verbinden.

Für die damalige Zeit bot R/3 Unternehmen damit eine vergleichsweise hohe Flexibilität bei der Gestaltung ihrer IT-Landschaft.

SAP R/3 Portabilität

Ein wichtiges Merkmal von R/3 war seine hohe Portabilität. Das System unterstützte verschiedene Datenbanken, Betriebssysteme und Client-Umgebungen.

Historisch gehörten dazu beispielsweise Datenbanken von Oracle, IBM oder Microsoft sowie unterschiedliche Unix- und Windows-Plattformen. Auch verschiedene grafische Benutzeroberflächen konnten auf R/3 zugreifen.

Diese Offenheit half Unternehmen dabei, R/3 in bestehende IT-Infrastrukturen zu integrieren, ohne sich vollständig an einen bestimmten Hardware- oder Datenbankanbieter zu binden.

Zentrale Datenbank mit verteilten Anwendungen

SAP R/3 arbeitet mit einer zentralen Datenhaltung, während Anwendungen und Benutzerzugriffe auf unterschiedliche Systemschichten verteilt werden können.

Typischerweise besteht die Architektur aus drei Ebenen:

  • Präsentationsschicht: Hier greifen Anwender über die Benutzeroberfläche auf das System zu.
  • Applikationsschicht: Die Anwendungsserver führen die Geschäftslogik und Prozesse aus.
  • Datenbankschicht: Die Datenbank speichert die zentralen Unternehmensdaten.

Durch diese Trennung konnte SAP R/3 Lasten verteilen und Systeme vergleichsweise flexibel skalieren.

SAP R/3 Architektur

SAP R/3 Module

SAP R/3 bildet unterschiedliche Unternehmensbereiche über miteinander verknüpfte Module ab. Der große Vorteil liegt dabei in der Integration: Informationen, die ein Bereich erfasst, stehen, abhängig von Prozessen und Berechtigungen, auch anderen Bereichen zur Verfügung.

Zu den wichtigen Modulen gehören unter anderem:

Finanzbuchhaltung (FI Module)

Das Modul Financial Accounting (FI) unterstützt Unternehmen bei der externen Rechnungslegung und Finanzbuchhaltung. Geschäftsvorfälle aus anderen Bereichen können direkt in die Finanzbuchhaltung einfließen.

Typische Funktionen sind:

  • Hauptbuchhaltung
  • Debitorenbuchhaltung
  • Kreditorenbuchhaltung
  • Anlagenbuchhaltung
  • Bankbuchhaltung
  • Abschlussprozesse
  • Finanzberichterstattung

Durch die Integration mit anderen R/3-Modulen lassen sich finanzielle Auswirkungen von Geschäftsprozessen unmittelbar im System abbilden.

Kostenrechnung (CO-Modul)

Das Modul Controlling (CO) unterstützt die interne Kosten- und Leistungsrechnung. Unternehmen können damit Kosten planen, überwachen, verteilen und auswerten.

Zu den typischen Funktionen gehören:

  • Kostenstellenrechnung
  • Innenaufträge
  • Produktkostenrechnung
  • Profit-Center-Rechnung
  • Ergebnis- und Marktsegmentrechnung
  • Plan-Ist-Vergleiche
  • Budgetierung
  • Kostenverrechnung

FI und CO arbeiten eng zusammen: Während FI vor allem die externe Rechnungslegung unterstützt, richtet sich CO stärker an die interne Unternehmenssteuerung.

Beitragsbild Kostenrechnung (CO-Modul)

Treasury (TR-Modul)

Das Treasury-Umfeld unterstützt Unternehmen beim Finanz- und Liquiditätsmanagement. Ziel ist es, Zahlungsströme transparent zu machen, Liquidität zu planen und finanzielle Risiken zu steuern.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Liquiditätsplanung
  • Cash-Management
  • Bankpositionen
  • Treasury-Prognosen
  • Finanzanlagen
  • Risikomanagement

Je nach eingesetzter R/3- beziehungsweise späterer SAP-ERP-Version unterscheiden sich die konkreten Komponenten und Funktionsumfänge.

Verkaufsmanagement und Vertrieb (SD-Modul)

Das Modul Sales and Distribution (SD) unterstützt Vertriebsprozesse vom ersten Kundenkontakt bis zur Fakturierung.

Typische Funktionen sind:

  • Kunden- und Materialstammdaten
  • Angebote
  • Kundenaufträge
  • Preisfindung
  • Verfügbarkeitsprüfung
  • Lieferungen
  • Versand
  • Transport
  • Fakturierung
  • Vertriebsanalysen

SD ist eng mit anderen Modulen verbunden. So kann ein Kundenauftrag beispielsweise Bestandsprüfungen in der Materialwirtschaft oder Prozesse in Produktion und Finanzwesen anstoßen.

Materialwirtschaft, Einkauf, Lieferanten und Lager (Modul MM)

Das Modul Materials Management (MM) unterstützt Beschaffungs- und Materialwirtschaftsprozesse. Unternehmen können damit unter anderem Materialien beschaffen, Bestände verwalten und eingehende Rechnungen prüfen.

Zu den typischen Funktionen gehören:

  • Materialstammdaten
  • Lieferantenmanagement
  • Bestellanforderungen
  • Bestellungen
  • Wareneingänge
  • Rechnungsprüfung
  • Bestandsführung
  • Materialbewegungen
  • Umlagerungen
  • Chargenverwaltung
  • Auswertungen und Analysen

Durch die Verbindung mit FI, SD und PP entstehen durchgängige Prozesse von der Beschaffung über die Produktion bis zur Auslieferung.

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Produktionsplanung (PP-Modul)

Das Modul Production Planning (PP) unterstützt Unternehmen bei der Planung und Steuerung ihrer Fertigungsprozesse.

Dazu gehören unter anderem:

  • Produktionsplanung
  • Materialbedarfsplanung
  • Kapazitätsplanung
  • Fertigungsaufträge
  • Serienfertigung
  • Auftragsfertigung
  • Prozessfertigung
  • Fertigung konfigurierbarer Produkte

Da PP mit Materialwirtschaft, Vertrieb und Controlling verknüpft ist, können Unternehmen Produktionsprozesse direkt mit Beständen, Kundenbedarfen und Kosteninformationen verbinden.

SAP R/3

Auftragserfassung in SAP R/3

An einem vereinfachten Vertriebsprozess zeigt sich, wie die verschiedenen R/3-Anwendungen und Systemschichten zusammenarbeiten.

Ein Vertriebsmitarbeiter erfasst zunächst einen Kundenauftrag in SD. Dabei greift das System auf relevante Kunden- und Materialstammdaten zu und prüft beispielsweise verfügbare Bestände sowie mögliche Liefertermine.

Ist die gewünschte Ware nicht verfügbar und muss erst produziert werden, können – abhängig vom jeweiligen Prozess und Customizing – Planung und Produktion angestoßen werden. In einer auftragsbezogenen Fertigung lässt sich der Kundenbedarf beispielsweise direkt mit einem Produktionsauftrag verknüpfen.

Anschließend fließen Informationen aus Vertrieb, Materialwirtschaft und Produktion zusammen. Dadurch können Mitarbeitende den Auftragsstatus nachvollziehen und Kunden über Liefertermine oder Änderungen informieren.

SAP ECC: Die aktuellste Version von R/3

SAP entwickelte die R/3-Plattform Anfang der 2000er-Jahre weiter. Aus dieser Entwicklung gingen SAP ERP und SAP ERP Central Component (ECC) hervor. ECC ist deshalb nicht lediglich eine umbenannte Version von R/3, sondern gehört zur nachfolgenden ERP-Generation.

SAP ECC bildet die zentrale ERP-Komponente der SAP Business Suite und bündelt zahlreiche integrierte Funktionen für Finanzwesen, Controlling, Vertrieb, Materialwirtschaft, Produktion, Personalwesen und weitere Unternehmensbereiche.

Die letzte Enhancement-Package-Generation von SAP ERP 6.0 ist Enhancement Package 8 (EHP8).

Für Unternehmen, die SAP ECC beziehungsweise Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 einsetzen, rücken inzwischen vor allem die Wartungsfristen in den Fokus: SAP bietet Mainstream Maintenance für die betroffenen Kernanwendungen bis Ende 2027 an. Anschließend können Kunden optional Extended Maintenance bis Ende 2030 nutzen. Danach bleibt für entsprechende Installationen gegebenenfalls eine kundenspezifische Wartung.

Unternehmen mit ECC sollten ihre weitere ERP-Strategie daher rechtzeitig planen und bewerten, welches Zielsystem zu ihren Geschäftsprozessen und ihrer IT-Landschaft passt.

S/4HANA: Die moderne Lösung

Mit SAP S/4HANA hat SAP seine ERP-Plattform grundlegend weiterentwickelt. SAP führte S/4HANA 2015 ein. Im Zentrum steht die SAP-HANA-Datenbank, die Daten im Arbeitsspeicher verarbeitet und dadurch unter anderem schnelle Analysen auf aktuellen Transaktionsdaten ermöglicht.

Gleichzeitig vereinfachte SAP verschiedene Datenmodelle und modernisierte die Benutzeroberfläche mit SAP Fiori. Dadurch sollen Anwender transaktionale Prozesse und analytische Auswertungen enger miteinander verbinden können.

Entgegen einer häufigen Vereinfachung ersetzt S/4HANA die klassische Drei-Schichten-Architektur jedoch nicht grundsätzlich durch eine Zwei-Schichten-Architektur. Auch klassische SAP-S/4HANA-Systeme können weiterhin aus Präsentations-, Applikations- und Datenbankschicht bestehen. SAP führt S/4HANA ausdrücklich als typisches Beispiel für eine solche Drei-Tier-Architektur auf.

Neben klassischen On-Premises-Szenarien spielt heute vor allem Cloud ERP eine zentrale Rolle in der SAP-Strategie. SAP positioniert unter anderem:

  • SAP Cloud ERP: SAP S/4HANA Cloud Public Edition bildet eine zentrale Anwendung innerhalb des Angebots und setzt stark auf standardisierte Prozesse, regelmäßige Innovationen und Cloud-Betrieb.
  • SAP Cloud ERP Private: Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Unternehmen, die ihre bestehenden SAP-ERP-Landschaften in eine privat verwaltete Cloud-Umgebung überführen und gleichzeitig einen größeren individuellen Funktions- und Transformationsspielraum behalten möchten.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt unter anderem von bestehenden Eigenentwicklungen, Prozessanforderungen, Transformationszielen und der gewünschten Standardisierung ab.

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Fazit

SAP R/3 hat die ERP-Landschaft über viele Jahre geprägt und wichtige Grundlagen für spätere SAP-ERP-Generationen geschaffen. Heute zählt das System jedoch klar zu den Legacy-Lösungen. Auf R/3 folgten SAP ERP beziehungsweise ECC und schließlich SAP S/4HANA.

Für Unternehmen mit älteren SAP-Landschaften gewinnt die Modernisierung zusätzlich an Bedeutung. Die Mainstream Maintenance für die Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 endet 2027; optional bietet SAP Extended Maintenance bis Ende 2030 an.

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Dieser Artikel erschien bereits im September 2023. Der Artikel wurde am 13.08.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

Was ist SAP R/3?

SAP R/3 ist ein ERP-System (Enterprise Resource Planning), dessen Ziel es ist, alle verschiedenen Module (SD, MM, CO, HR usw.) im Unternehmen zu integrieren, um eine Konsistenz der Daten im gesamten System und im Unternehmen zu schaffen.

Welche SAP R/3 Module gibt es?

Das System umfasst folgende Module: Finanzbuchhaltung (FI Module), Kostenrechnung (CO-Modul), Treasury (TR-Modul), Verkaufsmanagement und Vertrieb (SD-Modul), Materialwirtschaft, Einkauf, Lieferanten und Lager (Modul MM) und Produktionsplanung (PP-Modul).

Ist ECC die neue Version von SAP R/3?

2004 wurde eine neuere Version der Software mit überarbeiteter technischer Architektur veröffentlicht. Im Zuge dessen wurde SAP R/3 in SAP ECC umbenannt, was auch unter der Bezeichnung SAP ERP bekannt ist.

Wie funktioniert SAP R/3?

Mit R/3 können Sie Daten für Geschäftsprozesse abrufen, speichern, analysieren und auf vielfältige Weise verarbeiten.

Wer kann mir beim Thema SAP R/3 helfen?

Wenn Sie Unterstützung zum Thema SAP R/3 benötigen, stehen Ihnen die Experten von Mindforms, dem auf dieses Thema spezialisierten Team der mindsquare AG, zur Verfügung. Unsere Berater helfen Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten, das passende Tool für Ihr Unternehmen zu finden und es optimal einzusetzen. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Beratungsgespräch, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen.