Phuc Le
 - 23. Mai 2019

ZUGFeRD 1.0 vs. 2.0 – Die größten Neuerungen und Unterschiede

Ist ZUGFeRD 2.0 wirklich eine Erweiterung des Standards ZUGFeRD 1.0? Und muss ich in meinem Unternehmen unbedingt auf die neue ZUGFeRD 2.0-Spezifikation wechseln, wenn ich eben erst auf ZUGFeRD 1.0 gewechselt bin?

Die finale Spezifikation von ZUGFeRD 2.0 wurde am 11.03.2019 durch das „Forum elektronische Rechnung“ Deutschland (FeRD) vorgestellt. Seitdem fragen sich viele Unternehmen bei einer Umstellung auf ZUGFeRD, welche Spezifikation nun die beste sei.

In diesem Artikel versuche ich, Ihnen etwas mehr Klarheit zum Thema ZUGFeRD 2.0 und die Neuerungen zu geben. Insbesondere werde ich die wichtigsten Neuerungen und Unterschiede zu ZUGFeRD 1.0 zeigen. Hierbei beziehe ich mich größtenteils auf die offizielle Dokumentation der FeRD-Organisation, welche hier zu finden ist.

FACTUR-X und ZUGFeRD 2.0

ZUGFeRD 2.0 stellt den Standard einer elektronischen Rechnung dar, die den Anforderungen der europäischen Norm EN 16931-11 gerecht wird. ZUGFeRD 2.0 ist mit der französischen Rechnungsnorm FACTUR-X technisch identisch und wurde in enger Abstimmung mit dem französischen Standard Factur-X 1.0 entwickelt.

FACTUR-X wird von dem französischen „Forum National de la Facture Electronique et des Marchés Publics Electroniques“ (FNFE-MPE) entwickelt und ZUGFeRD von dem deutschen „Forum elektronische Rechnung Deutschland“ (FeRD). Das neue Rechnungsformat vereint die XML-Schemata aus dem bestehenden Standard Cross Industry Invoice (CII) von UN/CEFACT und dem ISO Standard PDF/A-3 zu einem hybriden Rechnungsformat.

Profile

ZUGFeRD 1.0 unterstützte bisher die Profile BASIC, COMFORT und EXTENDED. Durch die Zusammenführung mit der französischen Norm für elektronische Rechnungen kamen zwei zusätzliche Profile (MINIMUM und BASIC WL) in ZUGFeRD 2.0 hinzu, um eine technische Identität der beiden Normen zu gewährleisten. Diese beiden Profile stellen in Deutschland keine vollständigen Rechnungen im Sinne von § 14 UstG dar und sollten daher keine Anwendung finden.

ZUGFeRD 1.0 vs 2.0

ZUGFeRD 2.0 und XRechnung

XRechnung ist die nationale Ausgestaltung der Europäischen Norm EN 16931-1 für die deutsche (Bundes-)Verwaltung. Diese ist im Regelfall eine Vorgabe, was den elektronischen Rechnungsdatenaustausch mit deutschen Behörden betrifft.

Das ZUGFeRD 2.0-Profil EN 16931 (COMFORT) erfüllt die Anforderungen der EN 16931-1 fully compliant. Bei der XRechnung gelten teilweise nationale Regelungen, die für die Behörden in Deutschland relevant ist. So können Felder, die in ZUGFeRD 2.0 als optional gekennzeichnet sind, in der XRechnung als Pflichtfeld abgebildet sind. Das führt dazu, dass die Verwaltung gezielt notwendige Angaben in einer Rechnung einfordern kann.

Konformität zu anderen Spezifikationen

Bei einer CIUS (Core Invoice Usage Specification) handelt es sich um eine Reihe von Nutzungsleitlinien oder Einschränkungen am Kernrechnungsmodell (Anwendungsspezifikation), die dennoch eine Rechnungsinstanz erzeugen, die mit dem in der EN 16931-1 dargestellten Kernrechnungsmodell vollständig compliant ist (en: fully compliant). Das bedeutet, dass der Empfänger einer Rechnungsinstanz (in Compliance mit einer CIUS erstellt) weiterhin in der Lage ist, diese in Übereinstimmung mit den für das Kernrechnungsmodell definierten Regeln zu empfangen und zu verarbeiten.

Das Syntaxmapping aller Profile ist konform zu den Anforderungen der UN/CEFACT Cross Industry Invoice Stand D16B version 100, uncoupled set of schemas (CII). Hierfür gelten die Konformitätsregeln von UN/CEFACT.

Die Profile „BASIC WL“ und „MINIMUM“ sind NICHT compliant zur EN 16931-1 und stellen keine Rechnungen im Sinne des UStG dar. Das Profil EN 16931 (COMFORT) ist eine „fully compliant“ CIUS und das Profil BASIC ist eine „compliant“ CIUS der EN 16931-1.

Da das Profil EN 16931 (COMFORT) weder die Regeln noch das Datenmodell selbst einschränkt, ist somit jede CIUS, die compliant zur EN 16931-1 ist, ebenfalls compliant zum ZUGFeRD Profil EN 16931 (COMFORT) (und zum Profil EXTENDED) und darin abbildbar.
Das Profil EXTENDED ist eine conformant Extension der EN 16931-1.

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ZUGFeRD 1.0 vs. 2.0 – Technische Unterschiede

Neben den fachlichen Unterschieden gibt es auch eine Vielzahl von technischen Unterschieden, auf diese ich an dieser Stelle nur überblicksmäßig eingehen möchte. Die genaue technische Dokumentation der ZUGFeRD 2.0-Spezifikation kann auf der offiziellen Seite heruntergeladen und eingesehen werden.
Zum einen gelten ab sofort die Design-Prinzipien der EN 16931-1. Das heißt, dass bis zum COMFORT-Profil beispielsweise eine Rechnung sich immer nur auf genau eine Bestellung und eine Rechnung beziehen darf. Ist dies nicht der Fall, muss auf das EXTENDED-Profil zurückgegriffen werden.

Zum anderen haben sich die Profile auch inhaltlich verändert. Da das COMFORT-Profil von ZUGFERD 1.0 nicht „compliant“ ist zum Datenmodell der EN 16931-1, mussten bestimmte Elemente ergänzt oder auch weggelassen werden. Außerdem wirken sich Änderungen im COMFORT-Profil von ZUGFeRD 2.0 auf das Profil EXTENDED aus, da dieses eine „conformant“ Erweiterung der EN 16931-1 darstellt. Insbesondere müssen Pflichtangaben des Profils EN 16931 (COMFORT) ebenfalls Pflichtangaben im Profil EXTENDED sein.

Aufgrund von Entscheidungen bei UN/CEFACT zur Vereinfachung der „Name and Design Rules“ weisen die aus dem Supply Chain Reference Data Model (einer Untermenge der Core Component Library) abgeleiteten Tags Unterschiede auf. Das ZUGFeRD 2.0 -Schema hat daher eine neue Struktur nach dem CII 16B Schema und dadurch beispielsweise auch ein neues Root-Element, CrossIndustryInvoice.

Abbilden von Steuerarten in ZUGFeRD 2.0

In ZUGFeRD 2.0 wird bis zum Profil EN 16931 (COMFORT) nur die Steuerart „Umsatzsteuer“ mit dem Code „VAT“ unterstützt. Sollen andere Steuerarten angegeben wie beispielsweise eine Versicherungssteuer oder eine Mineralölsteuer werden, müssen Sie das EXTENDED Profil nutzen.

Einbettung der Datei in PDF/A-3

Der Name der eingebetteten Datei lautet weiterhin zugferd-invoice.xml. Das Metadatenschema ZUGFeRD PDFA Extension Schema hat sich auf die ZUGFeRD-Version 2.0 geändert. Rechnungsbegründende Unterlagen, die in das PDF eingebettet werden, werden nun aus der XML-Datei über einen relativen Pfad referenziert.

ZUGFeRD 1.0

ZUGFeRD 1.0 und ZUGFeRD 2.0 in einem PDF

Wichtig: Eine syntaktisch korrekte ZUGFeRD-Rechnung kann nicht gleichzeitig ein ZUGFeRD 1.0 und ein ZUGFeRD 2.0-XML enthalten. Das heißt, dass sie sich für ein Format entscheiden müssen, um eine syntaktisch korrekte ZUGFeRD-Rechnung erstellen zu können.

Validierung

Für die fünf Profile von ZUGFeRD 2.0 werden insgesamt drei Schemata soweit eine Schematron-Datei mitgeliefert. Eine vollständige Validierung erfolgt hierbei in zwei Schritten:

1. Prüfung gegen das Schema, das auch die zulässigen Codes bzw. Codelisten beinhaltet, um die strukturelle und syntaktische Validität einer Instanzdatei sicherzustellen. Auf dieser Ebene prüft die Validierung die Kardinalitäten ab, die unabhängig von Geschäftsregeln immer gelten.
2. Prüfung gegen die Schematron-Datei zur Überprüfung der Geschäftsregeln. Dies beinhaltet auch die Prüfung von spezifischen Kardinalitäten, die sich aus den Geschäftsregeln ableiten.

ZUGFeRD in der Praxis

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Fazit

Der Vergleich ZUGFeRD 1.0 vs. 2.0 zeigt, dass sich die FeRD-Organisation einige Gedanken gemacht hat, um hier einige Fortschritte zu erzielen. Ein großer Pluspunkt ist, dass diese ZUGFeRD 2.0 in sehr enger Zusammenarbeit mit FACTUR-X 1.0 aus Frankreich entwickelt hat. Das erleichtert mittelfristig den Austausch von Rechnungsdaten auch über die Landesgrenze hinaus nach Frankreich.
Zudem haben sich technisch einige Punkte geändert, die in Version 1 noch anders aufgebaut waren. Etwas schade dabei ist, dass die beiden ZUGFeRD-Versionen miteinander nicht kompatibel sind. Wichtig zu beachten ist auch, dass Sie nicht einfach XML-Dateien beider Versionen an eine PDF hängen können, da das Gesamtergebnis dann nicht ZUGFeRD-konform wäre.

Hierbei ist anzumerken, dass die FeRD-Organisation selbst keine Hilfsmittel / Validatoren bereitstellt und diese nur durch Drittfirmen verfügbar sind. Diese sind teilweise kostenpflichtig und können gegebenenfalls erst von Ihnen genutzt werden, sofern Sie sich beim jeweiligen Anbieter registrieren. Von daher sehe ich an dieser Stelle von einer Empfehlung eines bestimmten Validators ab.

Bitte beachten Sie, dass der Informationsstand dieses Beitrags zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Mai 2019 entspricht. Die FeRD-Organisation entwickelt die Spezifikation von ZUGFeRD fortlaufend weiter, sodass die hier dargestellten Informationen zu einem späteren Zeitpunkt abweichen können.

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dieser Übersicht einen ersten Eindruck zu den Neuerungen von ZUGFeRD 2.0 geben konnte. Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit ZUGFeRD 2.0 gemacht? Auf welche Punkte sind Sie bereits im praktischen Umgang damit gestoßen? Vor welchen Herausforderungen stehen Sie derzeit, was den elektronischen Rechnungsversand betrifft? Gerne können Sie Ihre Fragen und Anmerkungen unten in den Kommentaren hinterlassen.

Phuc Le

Mein Name ist Phuc Le und ich bin begeisterter IT Consultant bei mindsquare. Mein Schwerpunkt im SAP-Umfeld liegt in den Formulartechnologien SAPscript, Smartforms und Adobe Forms. Weiterhin bin ich auch als Salesforce Consultant tätig.

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