Alex Wiefel
9. Februar 2026

SAP Customizing

Die Produkte der SAP werden als sogenannte Standardsoftware ausgeliefert. Das bedeutet, dass sie sich in ihrer Grundform nicht unterscheiden und somit eine einheitliche Implementierung in jedem Unternehmen gewährleistet werden kann. Dies gilt insbesondere für das SAP ERP-System, welches durch einen modularen und standardisierten Aufbau überall ohne Weiteres implementiert werden kann. Um dennoch den spezifischen Bedürfnissen der Unternehmen gerecht zu werden und spezielle Prozesse abbilden zu können, wurde das SAP Customizing eingeführt.

Das Wichtigste im Überblick

  • SAP Customizing ermöglicht die Anpassung der Standardsoftware an unternehmensspezifische Prozesse über Einstellungen, Erweiterungen und Eigenentwicklungen.
  • Anpassungen erfolgen über SPRO, User-Exits, Z-Programme oder Modifikationen und werden über eine Transportlandschaft getestet und produktiv gesetzt.
  • Modifikationen am SAP-Standard sind möglich, jedoch wartungsintensiv und mit Risiken für Updates und Support verbunden.
  • Mit SAP S/4HANA verschiebt sich der Fokus des Customizings hin zu Standardnähe, Fiori-basierten Einstellungen und dem Clean-Core-Prinzip.

Was ist SAP Customizing?

Der Begriff Customizing (deutsch: anpassen) beschreibt im Software-Umfeld die Anpassung eines Serienprodukts an kundeneigene Bedürfnisse. Ziel ist es, Möglichkeiten zu schaffen, ein Standardprodukt an bestimmte Gegebenheiten oder Anforderungen anzupassen. Gleichzeitig reagieren Anbieter dadurch auf den Drang nach Personalisierung und Individualisierung durch den Kunden. In der Regel schafft der Hersteller einer Software Anpassungspunkte auf der Oberfläche oder im Coding, in denen der Kunde eigene Anpassungen implementieren kann.

In SAP-Systemen ist das Customizing der zentrale Punkt im SAP ERP-System, an dem die Software so modifiziert werden kann, dass sie den Unternehmensbedürfnissen entspricht. Der strukturierte Aufbau ermöglicht individuelle Einstellungen in den jeweiligen Modulen. Das SAP Customizing beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Einstellungen auf der grafischen Oberfläche (Transaktionscode: SPRO), sondern umfasst auch sämtliche Änderungen in den sogenannten User-Exits und durch Modifikationen. An dieser Stelle erlaubt die SAP an fest vorgegebenen Stellen kundeneigene Eingriffe in die Standardvorgänge mittels ABAP-Programmierung.

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SAP Customizing in der Praxis

Die SAP sieht die Modifikation der Standardprozesse an vier Stellen vor.

  • SAP Customizing auf der Oberfläche im ERP-System
  • User-Exits für vordefinierte Einstellungen
  • Veränderung des Quellcodes durch Modifikationen
  • Die sogenannten Z-Programme

Die Z-Programme beschreiben in dem Zusammenhang die kundeneigenen Programme, die individuelle Prozesse abbilden oder Standardprozesse erweitern können. Für die Erstellung solcher Programme ist ein Entwicklerschlüssel im SAP-System zwingend erforderlich. In der Regel installieren die Unternehmen eine 2- oder 3-System-Landschaft in ihrem Rechenzentrum. Diese Landschaften bestehen – je nach Ausprägung – aus einem Entwicklungs-, einem Test– und einem Produktivsystem. Anpassungen im SAP Customizing werden in der Praxis durch alle drei Systeme transportiert.

Einstellungen im SAP Customizing oder Z-Programme werden in dem Fall im Entwicklungssystem gepflegt und über das Testsystem in die produktive Umgebung transportiert. Die Transportkette ermöglicht intensive Tests des SAP Customizing vor der eigentlichen Produktivschaltung durch die IT-Abteilung oder den Fachbereich. Jedoch unterscheidet man grundsätzlich zwischen einer Anpassungsprogrammierung und einer Modifikation.

Anpassungsprogrammierung

Anpassungsprogrammierungen umfassen sämtliche Veränderungen, die nicht durch Einstellungen im SAP Customizing verändert werden können. Wie Anpassungen aller Art erfordern auch Anpassungsprogrammierungen intensive Tests in den entsprechenden Bereichen. Sie greifen jedoch nicht direkt in den Standardcode des ERP-Systems ein.

Modifikation

Für diesen Zweck existieren Modifikationen, die durch Individualprogrammierungen oder individuelle Anpassungen den Standard des Systems verändern. Modifikationen verhindern jedoch einen vereinfachten Update-Prozess, da sie entweder nach einem Update neu eingespielt oder das Update an die Individualprogrammierungen angepasst werden müssen. Gleichzeitig behält sich die SAP vor, den Support und die Wartung für modifizierte SAP-Systeme einzustellen. Eine Veränderung des SAP Customizing kommt dann zum Tragen, wenn auch Anpassungen in den User-Exits keinen Erfolg bringen würden.

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Transaktionscode SPRO

Über den Transaktionscode SPRO (SAP Reference Project Object) kann das zentrale SAP Customizing des ERP-Systems aufgerufen werden. Die SAP bezeichnet diesen Bereich als “SAP Customizing – Projektbearbeitung” und bietet Zugriff auf Anpassungsmöglichkeiten in einzelnen Geschäftsbereichen oder Modulen. Nutzer können das SAP Customizing unmittelbar aus der Oberfläche heraus aufrufen und bearbeiten. Die Anwender können die Anpassungen im SAP Customizing projektbasiert ablegen und somit jederzeit bearbeiten. Insbesondere Anpassungen in Datenbanktabellen können auch außerhalb der Transaktion SPRO im Entwicklungssystem vorgenommen werden.

Struktur

Die Übersichtlichkeit wird durch eine absteigende Aststruktur gewährleistet. Gleichzeitig stehen dem Anwender Suchfunktionalitäten zur Verfügung, mit denen er durch Schlagworte bestimmte Einstellungsmöglichkeiten suchen kann. Die Struktur führt von den übergeordneten Geschäftsbereichen (Finanzwesen, Materialwirtschaft, Einkauf, Verkauf, …) zu den spezifischen Einstellungen der jeweiligen Bereiche. In der Regel sind Modifikationen im SAP Customizing nur im Entwicklungssystem zulässig. Etwaige Einstellungen müssen demnach entlang der Transportkette durch die einzelnen Systeme transportiert werden.

SAP Customizing Modifikationen

Bestandteile im SAP Customizing

Wie bereits erwähnt zeichnet sich das SAP Customizing in seiner Gesamtheit durch mehrere Anpassungsobjekte aus. Abseits der Einstellungen auf der Oberfläche über die Transaktion SPRO können Anpassungen am SAP Customizing auch durch ABAP-Programmierung vorgenommen werden. Die SAP sieht Entwicklungen an mehreren Stellen beziehungsweise auf mehreren Arten vor. Dazu gehören im Detail:

SAP Customizing Modifikationen

Eine Modifikation verändert immer den Quellcode einer SAP-Anwendung. Entwicklungen in diesem Bereich setzen daher immer eine umfassende Vorabplanung voraus und sollten nicht leichtfertig durchgeführt werden. Die SAP muss der Modifikation zustimmen und einen Objektschlüssel vergeben. Ebenso ist eine detaillierte und umfassende Dokumentation zwingend erforderlich. Zudem behält sich die SAP vor, den Support und die Wartung eines Systems nach einer Modifikation zu verweigern. Modifikationen können nötig sein, wenn die grundsätzliche Logik im SAP Standard und dem SAP Customizing auf der Oberfläche nicht auf spezifische oder individuelle Prozesse der Kunden abbildbar ist.

Kundeneigene Programme

Die Z-Programme beschreiben individuelle Programmierungen, die Kunden sich selbst anfertigen, um bestimmte Prozesse abzubilden oder Standardprozesse zu unterstützen. Das “Z” kennzeichnet in dem Zusammenhang den individuellen Namensraum für diese Programme. Ergänzend dazu gibt es mit “Y” einen weiteren reservierten Namensraum für Eigenentwicklungen. In der Regel fungieren kundeneigene Programme als Add-on für einen Standardprozess. Auf diesem Wege können spezielle Anforderungen abgedeckt werden, die normalerweise nicht von der SAP im SAP Customizing berücksichtigt werden.

Z- oder Y-Programme haben nicht selten Berührungspunkte mit Einstellungen im SAP Customizing. Meistens erfordern Einstellungen im SAP Customizing sogar die Entwicklung eines eigenen Programms. Kundeneigene Programme erfordern eine intensive Wartung und Pflege, da Änderungen durch Updates im ERP-System dafür sorgen können, dass die Programme nicht mehr wie gewünscht funktionieren. Zur Entwicklung eines eigenen Programms wird ein Entwicklerschlüssel benötigt. Auch die SAP bietet vorgefertigte Z-Programme an, die über den SAP AddOnStore zu beziehen sind. Dabei handelt es sich um individuelle Entwicklungen, die Probleme oder Herausforderungen bewältigen, die viele Unternehmen in bestimmten Bereichen betreffen könnten.

User-Exits

Ein User-Exit ist ein spezieller Bereich im Coding des SAP-Systems, in dem kundeneigene Programmierungen zum Tragen kommen. In gewisser Weise wird an diesen Stellen das Standardverhalten des ERP-Systems übersteuert und eigene Logiken können implementiert werden. Mittels ABAP-Programmierung wird durch einen Entwickler ein Coding eingebaut, welches an dem Standardvorgehen der SAP ansetzt oder dies sogar verändert. Dem Anwender stehen modulabhängig an verschiedenen Stellen User-Exits zur Verfügung.

Die User-Exits sind entweder direkt über die Entwicklerwerkzeuge des SAP-Systems oder durch Absprünge im SAP Customizing zu erreichen. In vielen Modulen, wie SAP MM oder SD, gibt es an bestimmten Stellen Eingriffsmöglichkeiten durch die Anwender. Anpassungen in User-Exits sind nicht so kritisch wie Modifikationen am Quellcode, sollten dennoch genau geplant werden und erfordern ebenfalls einen Entwicklerschlüssel. Anpassungen in den kundeneigenen Bereichen können die Standardprozesse verändern und gegebenenfalls zu Problemen im Prozessablauf führen.

Der Unterschied von Customizing und Configuration

Customizing beschreibt individuelle Anpassungen eines ERP-Systems, die über den Standard hinausgehen und in der Regel Programmieraufwand erfordern. Dazu zählen Erweiterungen, Modifikationen oder Eigenentwicklungen, mit denen neue oder spezielle Funktionen umgesetzt werden. Diese Anpassungen setzen tiefgehende technische und fachliche Kenntnisse voraus und sind meist kundenspezifisch.

Konfiguration hingegen nutzt die im ERP-System vorgesehenen Einstellungsmöglichkeiten, um bestehende Funktionen an die Anforderungen des Unternehmens anzupassen. Sie kommt ohne zusätzliche Programmierung aus, erfordert jedoch fundiertes Produkt- und Prozesswissen, um die Vielzahl an Optionen korrekt und konsistent zu nutzen. Konfigurationen sind standardnah, reproduzierbar und systemübergreifend einsetzbar.

SAP Customizing in SAP S/4HANA – das hat sich geändert

Mit SAP S/4HANA bleibt das Grundprinzip des Customizings bestehen, die Ausprägung unterscheidet sich jedoch deutlich von älteren SAP-ERP-Versionen. Der Fokus liegt weniger auf technischen Stellschrauben und stärker auf standardisierten, fachlich sauberen Prozessen.

Reduziertes technisches Customizing

Mit SAP S/4HANA wurde das zugrunde liegende Datenmodell grundlegend vereinfacht. Viele Aggregate, Indizes und technische Hilfskonstrukte früherer SAP-Versionen entfallen vollständig. Entsprechend verlieren zahlreiche technische Customizing-Optionen ihre Relevanz oder existieren nicht mehr. Anpassungen konzentrieren sich heute stärker auf fachliche Prozesse und Geschäftslogik, während technische Optimierungen im Customizing bewusst zurückgedrängt werden.

Verlagerung zu Fiori und rollenbasierten Apps

Während die Transaktion SPRO weiterhin verfügbar ist, werden in SAP S/4HANA viele Einstellungen über Fiori-Apps vorgenommen. Das betrifft unter anderem Organisationsstrukturen, Workflows und Ausgabesteuerung. Customizing wird dadurch stärker rollen- und kontextbezogen und weniger zentral über eine einzige Oberfläche gepflegt. Verantwortlichkeiten werden klarer getrennt und näher an die jeweiligen Fachbereiche herangeführt.

Customizing im Sinne des Clean-Core-Prinzips

SAP S/4HANA folgt konsequent dem Clean-Core-Ansatz, bei dem der SAP-Standard möglichst unverändert bleibt. Klassische Modifikationen am Kernsystem werden bewusst vermieden, da sie Updates, Innovationen und den Cloud-Betrieb erschweren. Individuelle Anforderungen sollen stattdessen über klar definierte Erweiterungsmechanismen wie BAdIs, Erweiterungspunkte oder Side-by-Side-Entwicklungen umgesetzt werden. Das Customizing konzentriert sich damit auf standardnahe Einstellungen, während Erweiterungen bewusst vom Kern getrennt bleiben.

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Zusammenfassung

SAP Customizing bildet die Grundlage dafür, eine standardisierte SAP-Software an individuelle Unternehmensanforderungen anzupassen. Über Einstellungen, Erweiterungen und gezielte Programmierungen lassen sich Geschäftsprozesse flexibel abbilden, ohne den Standard vollständig neu zu entwickeln. Gleichzeitig erfordert jede Form der Anpassung ein klares Verständnis der technischen und fachlichen Auswirkungen, insbesondere im Hinblick auf Wartbarkeit, Updates und Systemstabilität.

Mit SAP S/4HANA verändert sich der Stellenwert des Customizings deutlich. Der Fokus verschiebt sich von technischen Eingriffen hin zu standardnahen Einstellungen, rollenbasierten Fiori-Apps und klar abgegrenzten Erweiterungskonzepten im Sinne des Clean-Core-Prinzips. Unternehmen sind stärker gefordert, ihre Prozesse zu hinterfragen und sich am SAP-Standard zu orientieren, profitieren im Gegenzug jedoch von stabileren Systemen, geringerer Komplexität und einer zukunftssicheren SAP-Landschaft.

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Dieser Artikel erschien bereits im Juli 2021. Der Artikel wurde am 09.02.2026 erneut geprüft und mit leichten Anpassungen aktualisiert.

FAQ

Was ist der Zweck von SAP Customizing?

SAP Customizing dient dazu, die SAP-Standardsoftware an individuelle Geschäftsanforderungen anzupassen, ohne den Standard vollständig neu zu entwickeln.

Welche Arten von Anpassungen gibt es im SAP-System?

Zu den wichtigsten gehören Oberflächenanpassungen über SPRO, User-Exits, kundeneigene Programme (Z-/Y-Programme) sowie Modifikationen am Quellcode.

Warum sind Modifikationen kritisch?

Modifikationen verändern den SAP-Standard und erschweren Updates, Wartung und Support. SAP empfiehlt daher, sie nur als letzte Option einzusetzen.

Was ändert sich beim Customizing in SAP S/4HANA?

Das technische Customizing wird reduziert, viele Einstellungen erfolgen über Fiori-Apps und individuelle Anforderungen werden im Sinne des Clean-Core-Prinzips außerhalb des Kerns umgesetzt.

Wer kann mir beim Thema SAP Customizing helfen?

Wenn Sie Unterstützung zum Thema SAP Customizing benötigen, stehen Ihnen die Experten von Mindforms, dem auf dieses Thema spezialisierten Team der mindsquare AG, zur Verfügung. Unsere Berater helfen Ihnen, Ihre Fragen zu beantworten, das passende Tool für Ihr Unternehmen zu finden und es optimal einzusetzen. Vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Beratungsgespräch, um Ihre spezifischen Anforderungen zu besprechen.

Alex Wiefel

Alex Wiefel

Als Management & Technologieberater im Bereich Formulare, Archivierung und E-Rechnung verbinde ich tiefgehende fachliche Expertise mit langjährigem Projektleitungs-Know-How. Diese Kombination liefert mir die Grundlage, meine Kunden-Projekte zum Erfolg zu führen. Gerne unterstütze ich Sie dabei, Ihre Formularlandschaft auf den neusten Stand zu bringen, Daten konform zu archivieren sowie Rechnungen zu digitalisieren.

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