Alexander Schwemmer
 - 2. September 2020

ZUGFeRD und XRechnung: CII und UBL technisch verschieden – aber trotzdem gleich?

Mit der EN 16931 unterliegen E-Rechnungen europaweit einer Norm, die die Anforderungen an die enthaltene XML-Struktur festlegt. Diese Struktur wird durch die Syntaxen von ZUGFeRD und XRechnung – CII und UBL – abgebildet. Vor zwei Wochen hatte ich bereits einen Blogbeitrag zum Thema Unterschiede zwischen UBL und CII veröffentlicht. Dabei habe ich mich vor allem auf die Entwicklung, Herkunft und Dokumententypen der Syntaxen bezogen.

Sollten Sie den Beitrag verpasst haben, schauen Sie gern hier vorbei.  Im heutigen Beitrag erkläre ich ergänzend dazu, wie sich die Syntaxen technisch unterscheiden und ob diese Unterschiede für Sie als Anwender relevant sind.

Technische Unterschiede

Die Abkürzungen UBL und CII stehen jeweils für Universal Business Language und Cross Industrie Invoice und sind im Wesentlichen XML-Syntaxen, die die EU-Norm EN 16931 abbilden. Dabei unterstützt XRechnung beide Syntaxen, während ZUGFeRD ausschließlich CII unterstützt. Oberflächlich betrachtet wirken die beiden Syntaxen schnell gleichwertig.

Doch ist das wirklich so? Dazu schauen wir uns nachfolgend die technischen Unterschiede von CII und UBL an.

Anforderungen an elektronische Rechnungen

Anforderungen an die elektronische Rechnung [Whitepaper]

Nicht zu wissen wie eine rechtskonforme E-Rechnung auszusehen hat und wie sie archiviert werden muss, kann teuer werden und zu Sicherheitslücken führen.

Umfang und Komplexität

Der offensichtlichste Unterschied zwischen CII und UBL ist der Umfang. UBL ist ein Standard für rund 65 Dokumente. CII hingegen ist ausschließlich für Rechnungen entwickelt worden und als UN-Standard Teil von mehreren Nachrichten. Das sind jedoch weitaus weniger als 65. Daher lässt sich festhalten, dass UBL von Natur aus umfangreicher und mächtiger ist.

Durch die Verfügbarkeit verschiedener Dokumententypen erlaubt UBL theoretisch die Integration über mehrere Geschäftsprozesse hinweg. UBL hat also das Potenzial die gesamte Lieferkette abzubilden. Für CII ist diese Möglichkeit nicht gegeben.

Individuelle Erweiterung

Ein weiterer technischer Unterschied der Syntaxen ist die individuelle Erweiterung. Und eins vorweg: UBL macht hier ganz klar das Rennen. UBL besitzt einen Extension Point als erstes Element und ist somit erweiterbar, ohne dabei die Kompatibilität des Standards zu gefährden.

Die Erweiterungsstruktur für UBL enthält Metadaten, die die Beschreibung der Erweiterung und dessen eigentlicher Nutzlast (Content) ermöglichen. CII hingegen enthält weder einen Extension Point noch eine vergleichbare Funktion.

Die Erweiterungsfunktion ermöglicht UBL-Nutzern, bei Bedarf zusätzliche Daten innerhalb der Rechnung zu übertragen, die über den Standard hinausgehen.

Abbildung

Der wesentliche technische Unterschied zwischen CII und UCL ist jedoch die Abbildung. Je nach E-Rechnungsformat und Information, stellen die Syntaxen dieselben fachlichen Sachverhalte anders da. Am besten lässt sich das an einem Beispiel veranschaulichen – ich habe mich für Bankverbindung entschieden:

Die Bankverbindung wird in der CII-XRechnung als IBAN-ID und BIC-ID referenziert (Abbildung 1). In der UBL-XRechnung hingegen als ID (IBAN) des Financial Accounts mit der IBAN als Unterknoten Abbildung 2).

Abbildung 2: Bankverbindung unter CII-XRechnung

Abbildung 1: Bankverbindung unter CII-XRechnung

Abbildung 2: Bankverbindung unter UBL-XRechnung

Abbildung 2: Bankverbindung unter UBL-XRechnung

Dabei unterscheiden sich nicht nur die Bezeichnungen, sondern auch die Reihenfolge und die Aufgliederung der einzelnen Elemente. Bezogen auf das Beispiel Bankverbindung können Sie in der CII-XRechnung sehen, dass die Informationen in der dritten Ebene als Teil der Zahlungsbedingungen einer Suppy-Chain-Trade-Transaktion stehen (Abbildung 1). In der UBL-XRechnung stehen die Informationen als einzelner Knoten auf der ersten Ebene der XML-Datei (Abbildung 2).

Herausforderungen beim Handling von UBL

Vielleicht denken Sie sich mittlerweile auch: UBL hat doch so viele Vorteile, warum überhaupt über den Einsatz von CII sprechen? Naja, wie so häufig hat auch diese Medaille zwei Seiten. So schön die Vorteile der Erweiterung, Individualisierung und ganzheitlichen Abbildung der Lieferkette auch klingen, so bergen sie auch ihre Herausforderungen.

Durch die Mächtigkeit von UBL sind auch die Schema-Definitionen (XSD-Dateien) sehr groß. Das kostet neben Speicher vor allem großes technisches Know-how zur Bearbeitung. Zudem werden mehrere Elemente der UBL-Syntax rekursiv definiert. Das kann zu Schwierigkeiten bei der Verarbeitung führen. Gerne möchte ich Ihnen einige Beispiele nennen:

  • Auf Grund der rekursiven Definition ohne Angabe einer maximalen Tiefe, verweigern bestimmte Tools den Dienst bei der Verarbeitung.
  • Die rekursive Definition sorgt teilweise auch für Endlosschleifen, Abbrüche oder extreme Laufzeiten bei der Verarbeitung (z. B. bei der Verwendung von ABAP. Auch Java hat zum Teil Schwierigkeiten).
  • Durch die Größe und Verschachtelung der Definitionen dauert die Verarbeitung sehr lange.

Relevanz für Anwender

Nachdem wir uns die technischen Unterschiede der beiden Syntaxen angeschaut haben, sollte deutlich geworden sein, dass es sich bei CII und UBL um zwei unterschiedliche Syntaxen handelt, die aber prinzipiell die gleichen Business-Daten enthalten.

Wenn ich die Frage vom Anfang „Sind UBL und CII gleichwertige Syntaxen?“ beantworten soll, würde ich mit einem „vorsichtigen“ Nein antworten. Vorsichtig, weil beide Syntaxen für die XRechnung verwendet werden können und damit die technischen Unterschiede innerhalb Europas für die meisten Anwender für die fachliche Verwendung nicht relevant sind. Faktisch betrachtet ist UBL jedoch um einiges mächtiger, was für mich die Bewertung als „gleichwertig“ schwierig macht.

Für Sie als europäischer Anwender läuft die Relevanz der Unterschiede auf zwei wesentliche Fragen hinaus:

  • Welche Syntax verwenden meine Kunden und wie wird ihnen die E-Rechnung zugestellt?

Für Sie sollte entscheidend sein, welche Syntax Ihnen reibungslose Geschäftsprozesse ermöglicht. Dazu sollten Sie wissen, welche Syntax von Ihren Kunden genutzt wird. Beispielsweise wird UBL als primär Syntax von PEPPOL genutzt. PEPPOL wird überwiegend im europäischen Ausland wie bspw. Norwegen, Schweden, Dänemark und den Niederlanden angewandt.

  • Wo steht in der XML-Datei welche Information?
    Sprich: Wie bildet die XML-Datei Ihre Rechnungen ab und welche Informationen werden dabei gespeichert?

Die richtige Syntax kann dabei helfen, unternehmensinterne Vorschriften umzusetzen / einzuhalten.

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Empfehlung

Zusammenfassend kann ich sagen, dass die technischen Unterschiede im Kontext der XRechnung und innerhalb Europas zu vernachlässigen sind. Denn XRechnung lässt beide Syntaxen zu und spezifiziert, wie sie in Europa verwendet werden sollen. Behalten Sie einfach im Hinterkopf, dass CII technisch einfacher zu handhaben, UBL jedoch potenziell mächtiger ist.

Wenn Sie international tätig sind und Kunden im europäischen Ausland haben, könnte sich der Aufwand der Implementierung von UBL lohnen. Wenn Sie Ihr Hauptgeschäft jedoch in Deutschland oder Frankreich abwickeln, ist CII die einfachere Umsetzung für Sie.

Haben Sie Fragen zur Funktionsweise von E-Rechnungen oder zu den Beschaffenheiten von CII und UBI? Dann schreiben Sie mir gerne eine Mail an info@mind-forms.de oder schreiben Sie mir direkt hier unten in die Kommentare. Ich freue mich auf Ihren Kontakt.



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